Festakt 2019

Die Verleihung des Wachtberger Kulturpreises
von KuKiWa an alle Wachtberger Büchereien

Die Bühne der Aula füllte sich am 27. November schnell, als fast alle 90 Mitarbeiter*innen der neun Büchereien von Wachtberg mit strahlenden Gesichtern die Treppen hinaufstiegen zur feierlichen Preisverleihung.
„Gib mir ein Buch und ich gehe auf die Reise“ – passender konnte der Festakt nicht eröffnet werden als mit diesem Lied des Kinderchors der Grundschule Berkum, unter der Leitung von Jutta Rau. Denn im Mittelpunkt dieses Abends standen Bücher und ehrenamtliche Helfer*innen in Büchereien. Der Internationale Tag des Ehrenamtes wurde auf der ganzen Welt eine Woche später gefeiert. KuKiWa wollte aber jetzt schon die ehrenamtlichen Menschen ehren, die unentbehrlich für Kinder- und Jugendarbeit in den Büchereien ihre Freizeit opfern. Das soziale Engagement ist heute wertvoller denn je.
So begrüßte der Vorsitzende des Fördervereins, Alfred Schneider, herzlich nicht nur die anwesenden Gäste, unter ihnen Bürgermeisterin Renate Offergeld, drei Vertreter der Bürgermeisterin, Kreistagsabgeordneter Christoph Fievét und Barbara Genscher, sondern vor allem die Mitarbeiter*innen der folgenden Büchereien, die im Wachtberger Büchereiverbund zusammengeschlossen sind: die Katholischen öffentlichen Büchereien in Adendorf, Berkum, Fritzdorf, Niederbachem und Villip, die Gemeindebücherei in Ließem, die Evangelische Bücherei in Pech, die Schulbücherei in Berkum und die Bibliothek im Altenstift Limbach in Berkum.
Unter der lockeren Moderation von Robert Hein, stellvertretender Vorsitzender von KuKiWa, gelang das „Wechselspiel“ zwischen den sehr jungen Wachtberger Bürger*innen mit Chorgesang und Tanz und den Ehrenamtlern der Büchereien im vielseitigen Abendprogramm.

Da durch die Büchereien vor allem Kinder und Jugendliche mit Lesestoff versorgt werden, wurde der musikalische und unterhaltsame Teil auch von Kindern gestaltet. „Biene Maja“, die Titelmusik zum Film über die kleine Honigbiene Maja, im Original von Karel Gott gesungen, haben schon Millionen von Kindern gehört und gesungen. Die Freude des Kinderchors der Grundschule, diesen Titel auch einmal auf einer Bühne zu präsentieren, sah man den fröhlichen Gesichtern und den rhythmischen Gesten an.
Nach dem wohlverdienten Applaus zeigten die kleinen sechs- bis neunjährigen Tänzerinnen des Tanzstudios von Patrizia von Düsterlho-Bauß eine andere Version, dieses Lied zu interpretieren. In Kostümen dieser beliebten Biene tanzten und wirbelten sie über die Bühne – so vergnügt wie nur eine Biene Maja sein kann. Mit Haribo-Tüten zum Dank und einem großen Applaus wurden die kleinen Tänzerinnen verabschiedet.

Doch der Mittelpunkt der Preisverleihung waren zweifelsfrei die ehrenamtlichen Mitglieder*innen der Wachtberger Büchereien, was Dr. Georg Schütte, ehemaliger Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, in seiner Laudatio betonte. Er nahm die Zuhörer auf eine Gedankenreise mit, so wie unsere Gedanken auch beim Lesen eines Buches auf die Reise gehen. Autobiografisch erzählte er eine Begebenheit, als er im Alter von elf Jahren sich viel zu früh zu seiner Bücherei aufmachte, um auf alle Fälle das von ihm begehrte Buch von Enid Blyton zu bekommen. Die Unanlichkeiten durch Drücken und Stoßen der nachrückenden Kinder ertrug er gerne und stoisch für dieses geliebte Buch. Genau so wie er diese Bücherei mit den vielen verschiedenen Ausgaben geliebt hat, so geht es den meisten Kindern heute. Um diese Kinder zu bereichern, opfern die Mitarbeiter*innen in den Wachtberger Büchereien ihre Freizeit. Aber so erklärt Dr. Schütte wörtlich: „Eine Bücherei bietet ja auch mehr: Sie kann ein Treffpunkt sein, an dem wir über die Bücher, die uns gefallen oder auch nicht gefallen haben, reden können. Sie kann ein Ort sein, an dem wir suchen, stöbern und zufällige Entdeckungen machen: vielleicht ein Buch, dessen Titel uns anspricht, so dass unsere Gedanken tatsächlich auf ganz neue, unbekannte Reisewege gehen...All das geschieht nicht von alleine. Hierfür brauchen wir Menschen, die sich für Bücher und Büchereien begeistern. Die bereit sind, dafür Zeit zu investieren. Die Bücher lieben, Neues organisieren, Altes zurücknehmen, Unbrauchbares aussortieren. Die starke Nerven haben, wenn die Begeisterung für Bücher zu groß und zu laut wird. Und die Geduld haben, wenn ungeduldige Leseratten vor der Tür stehen....Das ist für uns alle ein großes Geschenk. Vom Ehrenamt heißt es ja oftmals, dass es viel „Amt“ und wenig „Ehre“ bringe. Wir sagen heute danke und ehren Sie mit dem Wachtberger Kulturpreis 2019.“

Zur guten Stimmung des Abends trugen noch einmal die 40 Kinder des Chores bei. Bei der Titelmusik „Hey, Pippi Langstrumpf“ (verfilmtes Kinderbuch von Astrid Lindgren) bewegten nicht nur die anwesenden Kinder im Saal ihren Mund, sondern durchaus auch einige Zuschauer, die dem Kindesalter längst entwachsen sind. So selbstbewusst und abenteuerlustig wie die neunjährige Pippi Langstrumpf, so sangen auch die Chorkinder. Danach folgte ein weiteres Highlight der Kindermusik mit dem Lummerlandlied „Eine Insel mit zwei Bergen“ aus „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ der Augsburger Puppenkiste (ich glaube es gab zuvor noch eine Zeichentrickserie mit der Melodie, daher vielleicht die Augsburger Puppenkiste einfach weglassen?). Auch jede der kleinen Sänger*innen bekam während des langen Beifalls der Zuschauer eine Tüte Haribo als Dank für ihren gelungenen Vortrag. Alfred Schneider dankte der Chorleiterin Jutta Rau mit herzlichen Worten und einem Blumenstrauß.

Nach diesem fröhlichen Zwischenspiel betraten alle Mitarbeiterinnen die Bühne. Allen Leiterinnen der Büchereien überreichte Dr. Nicole Wagner, stellvertretende Vorsitzende von KuKiWa, eine Urkunde mit dem Abbild der Anton-Raaff-Medaille und dem Text, der die Preisverleihung an die Mitarbeiter*innen der Büchereien begründet:
„Der Wachtberger Kulturpreis wird verliehen in Würdigung ihres unermüdlichen selbstlosen Engagements, mit dem sie insbesondere Kindern den Weg zu wahren und erfundenen Geschichten öffnen, den Blick weiten für die Welt, ihre Mitmenschen und die Natur – in einer Vielfalt vom klassischen Buch bis zu den digitalen Medien und von Sachwissen bis in einen unendlichen Kosmos der Fantasie.“
Für die Mitarbeiter*innen in der Bibliothek im Altenstift Limbach gilt folgender Text:
„Der Wachtberger Kulturpreis wird verliehen in Würdigung ihres unermüdlichen und selbstlosen Engagements, mit dem sie insbesondere den Bewohnerinnen und Bewohnern des Stifts, aber auch allen anderen Gästen, Zugang zu wahren und erfundenen Geschichten ermöglichen – in einer Vielfalt von klassischen Büchern, zum Teil mit seniorenfreundlichem Schriftgrad, bis hin zu den digitalen Medien und von Sachwissen bis Fantasie.“
Die hiermit Ausgezeichneten und ihre Vorgängerinnen gaben und geben Kindern und Jugendlichen seit den 1980er-Jahren eine außerordentliche Unterstützung beim Erwerb der für die gesamte Lebensgestaltung unerlässlichen Kulturtechniken des Lesens und Schreibens. Eine Blume als Dank für ihre großartige ehrenamtliche Arbeit überreichten Klaus Schadow und Alfred Schneider allen aktiven und ehemaligen Bücherei-Mitarbeiter*innen.

Den Dank an KuKiWa und die Büchereien spricht Dieter Dresen mit lobenden Worten aus. Auch er beginnt mit einer eigenen Erfahrung, als er als Messdiener im alten Pfarrhaus von den Büchern in hohen Regalen welche mit nach Hause nehmen durfte. Jede Woche bekam er neue Bücher, die er immer innerhalb einer Woche auslas. Das prägte seinen ganzen Lebensweg, was der Junge damals natürlich noch nicht ahnte. So geht es den Mitarbeiter*innen der Wachtberger Büchereien auch, denn so wörtlich von Dieter Dresen: „Sie alle können natürlich auch nicht ahnen, welche Lebenswege, welche Perspektiven Sie mit Ihrer ehrenamtlichen Arbeit anstoßen, begleiten, beeinflussen! Auch ihr jugendliches Publikum sicher nicht! Noch nicht! Aber ich darf Ihnen versichern: Genau das tun Sie! Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr, bei einigen von Ihnen ja seit mehreren Jahrzehnten. Mit Ihrem Engagement, mit Ihrem Wissen und Können, mit Ihrer kostbaren Lebenszeit! Mit Ihrer Liebe zum Buch! Und deswegen stehen Sie hier und heute auf dieser Bühne - und werden für Ihre Verdienste geehrt! Herzlichen Glückwunsch!“

Bevor ein weiterer Erwachsener auf die Bühne kam, eroberten noch schnell zehn- bis dreizehnjährige Tänzerinnen die Tanzfläche mit einem modernen, fetzigen Hip Hop von dem deutschen DJ Robin Schulz, wieder passend zur Gestaltung des Programms mit dem Titel „Oh Child“. Auch diese Gruppe wurde natürlich ebenso mit Haribo-Tüten von der Bühne geleitet. Der Choreografin und Leiterin des Tanz-Studios Patrizia von Düsterlho-Bauß dankte Alfred Schneider nicht nur mit einem kleinen Blumenstrauß, sondern auch mit einer herzlichen Umarmung.

Gedichte zum Zuhören, Lieder zum Mitsingen hatte Oliver Steller im Gepäck, als er als besonderer, ganz anderer Höhepunkt unter dem Applaus des Publikums die Bühne betrat. Der Rezitator und Musiker wurde 1967 geboren und verbrachte seine Kindheit in Wachtberg-Ließem. Die Liebe zur Literatur hat er nach der Schule wiederentdeckt. Seitdem vertont er Gedichte. Im Anschluss an ein Musikstudium in den USA und einem Jahrzehnt als freischaffender Künstler, gab der Gitarrist und Sänger 1995 sein Debüt als Rezitator. Er wurde als „Stimme deutscher Lyrik“ bezeichnet. In den Jahren 2000 und 2015 wurde er mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.
Bei seinen Auftritten für Kinder mit seiner Gitarre Frieda darf immer mitgesungen, mitgesprochen und mitgeklatscht werden. Die Chorkinder hatte Platz auf der Bühne genommen, was zwischen Oliver Steller und den Kindern zu einem lebhaften Wechselspiel wurde. Der Rezitator nahm die Kinder mit auf seine Reise ins Reich der Lyrik (Ballade vom Herrn auf Ribbeck), weiter ins Reich der Rhythmik und des Gesangs. Er vollbrachte, dass die Kinder und das Publikum lautstark mitsangen und klatschten. An von den Kindern vorgeschlagenen Zungenbrechern brach er sich nicht die Zunge, was begeistert von allen beklatscht wurde. Oliver Steller brachte am Ende des Festaktes alle Anwesenden in der Berkumer Aula in äußerst ausgelassene Stimmung, die dann erst viel später nach Wein, Sekt und Brezeln ausklang. Doch noch eine Überraschung sollte am Ende auf der Leinwand erscheinen: Der Wachtberger Drache entzündet die erste Kerze auf einem Adventskranz, den er in der Hand hält. Er brauchte zu lange dazu, und es gelang ihm leider erst, als fast alle Besucher schon aus der Aula ins Foyer zum Umtrunk gegangen waren.

Der Vorsitzende von Kukiwa gab wider, was ausnahmslos alle Besucher so empfanden: „Es war einfach faszinierend, wie sich gestern Mosaikstein an Mosaikstein fügte und zu einem überaus stimmigen Gesamtbild formte, welches alle unsere Gäste tief beeindruckt hat. Mehrfach wurde mir gestern nach der Veranstaltung zum Ausdruck gebracht, wie herzlich, ehrlich, freundlich, stimmungsvoll, kurzweilig und angemessen die Ehrung der Preisträger von uns gestaltet worden ist und dass dies nur durch ein harmonisches Vorstandsteam überhaupt möglich sei. Die Preisträger haben sich mit der von uns gestalteten Ehrung voll identifiziert, haben diese mit Freude entgegengenommen
und mit Stolz auf Ihre Leistung ihre Rosen und Urkunden empfangen. Das war unser Ziel und das ist uns gestern vollauf gelungen!“ (C.v.D)

 

Die Fotos auf dieser Seite sind von Stefan Berger und Klaus Schadow