2015: "Holz in Wachtberg"

Traditionell wurde er im Köllenhof von Vorstandsmitgliedern des Fördervereins „Kunst und Kultur in Wachtberg e.V.“ vorgestellt. Mit einem hochwertigen Offsetdruck strahlen die  abgebildeten Fotos auf jeder Seite. Es entstand ein liebenswürdiger Fotokalender, zu dem viele Fotografinnen und Fotografen ihre eindrucksvollen Motive einsandten. Die Auswahl fiel den Jury-Mitgliedern wahrlich nicht leicht. Die Auflage ist limitiert auf 300 Exemplare. Nachdem dem ersten Bürger der Gemeinde, Bürgermeisterin Renate Offergeld, das erste Exemplar überreicht wurde, kann er nun für 15 Euro im Rathaus in Berkum, in der Forum-Apotheke und in Volks- und Raiffeisenbanken in Wachtberg erworben werden. Wie immer wird der Erlös für die Förderprojekte von KuKiWa eingesetzt. Eine bunte Folge höchst unterschiedlicher, wunderbarer Motive im Wandel der einzelnen Monate schmücken den Kalender. Wie die Bildautorinnen und Bildautoren das schwierige Thema „Holz in Wachtberg“ umgesetzt haben, ist wunderbar anhand ihrer 13 Fotos und den stimmungsvollen Texten von Ulf Hausmanns zu erkennen.

Titelbild:In der Wachtberger Obstlandschaft gibt Holz Holz Halt: Den optischen Reiz der von Edelgard Jansen oberhalb von Oberbachem angetroffenen Neupflanzungen macht der Kontrast der strengen Pfähle zur individuellen „Figur“ der jungen Obstbäume aus. Schon in wenigen Jahren werden sie regelmäßig saftige Früchte tragen und den Obstbauern für seine Mühen entschädigen.

Januar: Gleich dreierlei Holz ist Thomas Hertel nördlich der Straße von Züllighoven nach Berkum aufgefallen: vom Licht angegraute Zäune, die eine grafische Struktur über die Schneefläche legen, dazu Unterstände aus vertikal verarbeiteten Brettern und die kahlen, natürlich gewachsenen „Arme und Finger“ der alten Obstbäume. Eine ideale Landschaft zum Luftholen.

Februar: Noch zieht die Sonne im flachen Bogen über den Himmel, zaubert früh ein goldenes Abendrot über Wachtbergs Wiesen. Thomas Hertel ist es oberhalb des südwestlichen Ortsrand von Züllighoven gelungen, einen der traditionellen Weidezäune abzubilden. Er verleiht der Grenze zwischen Himmel und Erde den Charme, den industrielle gefertigte, kunststoffbeschichtete Zäune schmerzlich vermissen lassen.

März: Heinz Contzen ist auf diesen Holzkarren auf einer Wiese oberhalb von Niederbachem aufmerksam geworden. Während dem Gefährt mit den abgeräumten Stämmen und Ästen gefallener und gefällter Bäume offensichtlich über den Winter ein wenig die Luft ausgegangen ist, schiebt sich bei der prachtvoll gewachsenen Eiche und der Hangbebuschung grün strotzendes Laub aus den Zweigen.

April: Das weiche Licht der Sonne im Wechselspiel von Helligkeit und Schatten zeichnet ein fast unwirkliches Bild der blühenden Obstbäume und der Birken im ersten Grün; der Hintergrund verschwindet im Nebel. Dieter Mehlhaff hat diesen Moment auf dem Rodderberg südöstlich des Broichhofs abgepasst, wo die Sprunghindernisse aus Baumstämmen die Herausforderung für Pferde und Reiter sind.

Mai: Es gibt nur einen Baum, der den Mai, die Menschen und das Brauchtum im Rheinland seit jeher beherrscht – und das in fast jedem Wachtberger Ort. Dabei ist es der Ehrgeiz der Junggesellenvereine und der Dorfgemeinschaften, einen möglichst großen Baum möglichst schön zu schmücken. So wie es den Villiprottern mit ihrem von Ellen Dornhaus fotografierten Exemplar gelungen ist.

Juni: Ein offenes Rätsel hat Monika von der Heiden mit dem Andreaskreuz aufgespürt und humorvoll mit er Zeile „eingleisiger unbeschrankter Bahnübergang auf der Rodderberger Walnussplantage“ betitelt. Wer weiß schon, wie und wann das Warnzeichen, das dem Schienenverkehr Vorrang gibt, in den Walnussbaum geraten ist. Sicher ist, dass es in seinem „zweiten Leben“, umarmt vom urwüchsigen Baum,Spaziergängern zum Schmunzeln verleitet. Das ist viel für ein ehemaliges Warnsignal.

Juli: Ein Holzstapel auf einem Ackergrundstück neben einem Baum am Weg in der Nähe der Straße Om Dönz in Fritzdorf: Hans Bernd Sonntags Holzstapel hat das für das Leben in dem lange vom Holz und mit Holz lebenden Treppenbauer- und Schreinerdorf typische Ambiente an einem sonnigen Sommertag eingefangen. Hier gibt es noch viele solcher Holzstapel, weil in vielen Fritzdorfern Häusern mit Holz geheizt wird und in machen Kachelöfen stehen.

August: Wie eine Gruppe lustiger Gesellen kommen sie daher, die Jacob Mahncke nördlich von Pech aufgestöbert hat. In ihnen findet der ewige Prozess des Vergehens und Werdens einen spontan fröhlich wirkenden Ausdruck. Dieser Moment zeigt, dass auch abgestorbenes Holz schön sein kann, dabei Raum und Nährstoffe für neues Leben bietet, was den Fotografen - und die Jury – stark angesprochen hat.

September:   Jetzt schwankt der Wald, wie ihn Joachim Schröder am Hohenberg bei Berkum angetroffen hat, zwischen dem Abschied vom Sommer und dem einsetzenden Herbst. Dabei ist es dem begeisterten Fotografen, der vornehmlich „Wald- und besonders Baumbilder produziert“, gelungen, das besondere Licht dieser Wochen einzufangen, das dem Wald etwas Mystisches und eine eigene, fast zeitlose Dimension gibt.

Oktober. Wenn der Wind die Blätter von den Bäumen reißt, sich das Laub der Wälder zwischen Pech und dem Petersberg-Hotel immer bunter färbt, wird Erntedank gefeiert. Edelgard Jansen zeigt mit dem Motiv des schon länger in Sonne und Wind trocknenden Stapels gespaltener Hölzer neben dem von Gleichmaß und rechtem Winkel geprägten Schuppen ein früher für die Menschen existenzielles Thema – das der Gewinnung von Brennmaterial.

November: Es wird stiller in der Landschaft, wenn die Nebel über die abgeernteten Felder ziehen. Die Zeit der großen Feuer ist gekommen. Noch immer wird in Wachtberger Dörfern das trockene Holz des ablaufenden Jahres zusammen geschleppt. Je größer, je heller, je schöner – am besten so, wie von Ellen Dornhaus auf der „Rödder“-Seite des Villiper Tals beobachtet hat. Hier kann St. Martin auch noch auf seine kleinen Helfer aus der Jugendfeuerwehr zählen.

Dezember: Auch wenn die Natur in unseren breiten Pause zu machen und der Baum genauso „tot“ zu sein scheint wie das Holz der Bank, dreht sich die große Sternmühle weiter. Dr. Klaus Ackermann hat diesen für Ästheten und Romantiker von funkelnden Kristallen übersäten Himmel über dem Feld zwischen Ließem und Gimmersdorf wahr genommen. Wo Astronomen Mars und Venus sehen, erinnert sich die Christenheit an die Verheißung, die die drei Weisen aus dem Morgenland nach Bethlehem geführt hat.

Das Thema für den Wachtbergkalender 2016 steht schon fest. Die Jury ist sehr gespannt, wie die Fotografinnen und Fotografen das schwierige Thema „Durchblicke“ beleuchten werden, denn der Wachtberg-Bezug sollte zu erkennen sein. Die offizielle Ausschreibung folgt.
(C.v.D.)